Wenn du von der Festanstellung in die Gründung wechselst, liegt dein mentaler Fokus natürlich voll auf dem Geschäftsaufbau. Aber genau in dieser Phase prasselt dann alles auf dich ein: Krankenversicherung, Rente, Arbeitslosengeld, Berufsgenossenschaft, GmbH-Status. Das erzeugt schnell das lähmende Gefühl, irgendetwas Wichtiges übersehen zu haben - oder gar nicht erst die Themen angreifen zu können.
Deswegen zoome ich heute mit dir aus den Details heraus in den Überblick. Die wichtigste Regel für dein erstes Gründungsjahr lautet: Du musst nicht alles an Tag 1 final lösen – aber du solltest einmal die komplette Landkarte gesehen haben, um Prioritäten zu setzen.
Hier ist deine strukturierte Übersicht über alle Sicherheitsnetze, die durch den Wegfall des Arbeitnehmer-Status neu geknüpft werden müssen.
1. Akute Priorität: Gesundheit & Einkommen
Dieser Block muss sollte beim Start in die Vollzeit-Selbstständigkeit geregelt werden, da hier die größten sofortigen Finanzrisiken liegen:
Die Systemfrage (Krankenversicherung): Selbstständige sind im Regelfall nicht GKV-pflichtig. Du kannst dich aktiv zwischen der privaten (PKV) und der freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) entscheiden oder prüfen, ob eine kostenfreie Familienversicherung über den Partner wenigstens für die Anfangszeit noch möglich ist – je nachdem wie deine persönliche Gründungs-Journey aussieht. PKV-Angebote berechnen sich nach Alter und Gesundheitszustand, und dein GKV-Beitrag nach deinem Einkommen. Die Techniker Krankenkasse bietet hier auch einen hilfreichen Beitragsrechner für Selbstständige.
Verdienstausfall bei Krankheit (Krankentagegeld): Der wichtigste blinde Fleck. Wenn du krank wirst, zahlt kein Arbeitgeber mehr 6 Wochen lang dein Gehalt weiter. Selbst wenn du gesetzlich versichert bleibst, greift das Krankengeld der Gesetzlichen nur bei aktiver Wahl der Absicherung als Zusatz, und das genauso wie bei Angestellten erst ab der 7. Woche. Je nachdem, wie eng oder weit dein finanzieller Puffer geht, kann man hier auch private Krankentagegeld-Absicherung und GKV-Krankengeld kombinieren.
Berufsunfähigkeit: Der Schutz deines Einkommens bei langfristigen, schweren Erkrankungen. Hier gilt: So früh wie möglich absichern, denn auch hier schaut der Versicherer auf Alter und Gesundheitszustand. Hier auch nicht zu verwechseln mit der Erwerbsminderungsrente der Gesetzlichen Rentenversicherung (falls du freiwillig weiterhin einzahlst): Diese zahlt, wenn du gar nicht arbeiten kannst, in keinem Job. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt, wenn du deinen konkreten Beruf nicht mehr ausführen kannst.
2. Harte Fristen & Rechtlicher Status
Hier lauern bürokratische Fallen, die an feste Timings geknüpft sind:
Das 3-Monats-Fenster (Arbeitslosenversicherung): Existenzgründerinnen können sich bei der Arbeitsagentur freiwillig weiterversichern. Der Haken: Der Antrag muss zwingend innerhalb der ersten drei Monate nach Start der Selbstständigkeit gestellt werden.
Die GmbH-Falle (Statusfeststellung): Wenn du eine GmbH gründest, bist du als Gesellschafter-Geschäftsführerin nicht automatisch sozialversicherungsfrei. Um teure Nachzahlungen zu vermeiden, klären wir das über ein einfaches Statusfeststellungsverfahren bei der Deutschen Rentenversicherung. Das kann man sogar vor der Gründung machen, mit einer sogenannten Prognoseentscheidung.
Unfallversicherung (Berufsgenossenschaft): Der automatische Schutz gegen Arbeitsunfälle entfällt. Jedes Unternehmen muss sich bei der zuständigen Berufsgenossenschaft anmelden – kläre hier, ob eine freiwillige Mitgliedschaft für dich im Falle einer Solo-Selbstständigkeit sinnvoll ist oder du es lieber privat lösen willst. Sobald du Mitarbeiter hast, ist es ein Muss.
3. Deine strategische Roadmap: Langfristige Vorsorge
Diese Themen müssen nicht im Gründungsmonat gelöst werden, gehören aber auf die Agenda für das erste Jahr:
Die Altersvorsorge: Dein Arbeitgeber zahlt nicht mehr in die Rentenkasse ein. Ob gesetzliche Rente, berufsständisches Versorgungswerk oder geförderte Modelle wie die Basisrente (Rürup) – du brauchst eine Strategie, denn ein ETF-Sparplan alleine ist eine wackelige Altersvorsorge. Mehr dazu liest du auch unter meinem Blog-Beitrag zu ETFs & Rentenversicherungen - und eine gute Übersicht zu deinen Ansprüchen gibt die Digitale Rentenübersicht, hier für dich erklärt.
Sonstige Risiken: Je nach deiner persönlichen Situation nehmen wir auch Hinterbliebenenabsicherung, Pflege-Versicherung und neue Sach-Risiken mit auf unsere Roadmap.
4. Die operative Ebene: Der Business-Schutz
Parallel zu deiner privaten Absicherung muss das neue Unternehmen selbst gegen existenzielle Risiken von außen geschützt werden. Die absoluten Grundlagen hierfür sind die Vermögensschaden-/Betriebshaftpflicht und, bei datenverarbeitenden Business Models, der Schutz vor Cyber-Risiken. Details dazu, welche Gewerbeversicherungen du wirklich brauchst und was warten kann, findest du in dem Blog-Beitrag für Versicherungen im Gründungsjahr.
Der nächste Schritt
Wenn man diese Landkarte das erste Mal sieht, wirkt sie einschüchternd. Aber genau dafür bin ich da, du musst diesen Dschungel nicht selbst durchdringen. Lass uns sprechen. Ich sichte deine Situation und wir legen gemeinsam fest, was akute Priorität hat und was wir bewusst auf später verschieben. Wir erarbeiten eine belastbare Struktur – Schritt für Schritt, ganz ohne Fachjargon und Verkaufsdruck.
